Studie zu variabler Maut am Brennerkorridor

München, 27.05.2026

Bayern, Südtirol und Trentino arbeiten gemeinsam an weiteren Lösungsansätzen für den Brennertransit

  • Durch höhere Maut zu Spitzenzeiten wird Entzerrung des Transitverkehrs erwartet
  • Studie soll noch in diesem Jahr abgeschlossen werden
  • Verkehrsminister Bernreiter und Mobilitätslandesrat Alfreider: „Brauchen gemeinsame Lösung!“

 

Bayern, Südtirol und das Trentino haben im Mai den Startschuss für eine gemeinsame Machbarkeitsstudie zur Einführung einer variablen Maut für den Güterverkehr auf der Brennerachse gegeben. Mit einem Kick-off-Treffen der Arbeitsgruppe wurde die inhaltliche Arbeit aufgenommen. Die Studie soll innerhalb des Jahres abgeschlossen werden. Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter wirbt für eine gemeinsame Lösung: „Maßnahmen wie Blockabfertigung und Nachtfahrverbote sind nicht die Lösung. Wir müssen weiter miteinander im Gespräch bleiben, wie wir einen guten Brennertransit ermöglichen können. Eine variable Maut könnte hierbei eine wichtige Rolle spielen.“

Ziel der Studie ist es, die technische, rechtliche und wirtschaftliche Umsetzbarkeit sowie die verkehrliche Wirksamkeit einer sogenannten variablen Maut zu prüfen. Das Grundprinzip ist einfach: In Zeiten besonders hoher Verkehrsbelastung – etwa zu Spitzenstunden oder an stark frequentierten Tagen – soll die Maut höher ausfallen, während sie in verkehrsärmeren Zeitfenstern günstiger gestaltet wird. Durch diese gezielte Preisdifferenzierung soll der Güterverkehr dazu angeregt werden, Fahrten außerhalb der Spitzenzeiten zu verlagern und so zur Entlastung der stark belasteten Brennerautobahn beizutragen. Erste Simulationen haben ergeben, dass eine erheblich erhöhte Maut an Spitzenzeiten von Fahrten in diesen Zeiten abhält.

Die Studie wird unter anderem untersuchen, wie ein solches Mautsystem konkret ausgestaltet werden kann, welche Formen der zeitlichen und preislichen Differenzierung sinnvoll und rechtlich zulässig sind und wie Transportunternehmen voraussichtlich auf unterschiedliche Mauthöhen reagieren würden. Ebenso sollen potenzielle Auswirkungen auf Verkehrsflüsse, Umwelt und Wirtschaft beleuchtet werden.

Bernreiter verdeutlicht: „Am Brenner haben wir aufgrund der verkehrlichen Situation einen akuten Handlungsbedarf. Er ist die Hauptverkehrsader in Europa und gleichzeitig ein Nadelöhr. Der Straßengüterverkehr auf der Route steigt und das führt zu Konflikten. Hier dürfen wir nicht abwarten. Bayern setzt auf gemeinsame Lösungen mit den beteiligten Regionen, die Verkehrsflüsse entzerren und Staus vermeiden und so die Belange der Wirtschaft und der Bevölkerung angemessen berücksichtigen. Die für den 30. Mai angekündigte Sperrung des Brenners aufgrund einer Demonstration zeigt, wie dringend wir eine gemeinsame Lösung brauchen.“

Südtirols Landesrat für Mobilität, Daniel Alfreider, unterstreicht: „Die Studie zur variablen Maut ist ein weiterer wichtiger Beitrag auf dem Weg zu gemeinsamen Lösungen entlang der Brennerachse. Gerade bei einem sensiblen Thema wie dem alpenquerenden Güterverkehr können nur abgestimmte, grenzüberschreitende Maßnahmen wirksam sein. Einzelmaßnahmen können auf einem gemeinsamen Korridor nie zielführend sein.“

Der Ansatz einer variablen Maut wird von der europäischen Ebene gutgeheißen und als Teil einer Gesamtlösung für den Brennerkorridor betrachtet. Die Ergebnisse sollen eine fundierte Entscheidungsgrundlage für mögliche weitere politische und verkehrsplanerische Schritte auf dem Brennerkorridor liefern. Zu unterscheiden davon ist die bereits vorliegende Idee einer digitalen Verkehrssteuerung in Form eines Slot-Systems. Aufgrund der laufenden Klage Italiens gegen die Verkehrsbeschränkungen durch das Land Tirol ruhen die Überlegungen hierzu aktuell.