Superhelden-Projekt: Künstlerhaus in Nürnberg
Die Sanierung des Nürnberger Künstlerhaus ist ein herausragendes Beispiel für den erfolgreichen Stadterneuerungsprozess inmitten einer historischen Altstadt. Dank des persönlichen Engagements und der Ausdauer aller Beteiligten konnte der anspruchsvolle Umbau des über 100 Jahre alten Gebäudeensembles umgesetzt werden.
Sanierung des Baudenkmals in drei komplexen Bauabschnitten
Bauliche Spuren der Vergangenheit werden erhalten und sichtbar gemacht
Künstlerhaus ist wieder ein zentraler kultureller Treffpunkt in der Altstadt
Das 1910 auf der mittelalterlichen Stadtmauer errichtete Künstlerhaus ist ein prägendes Denkmalensemble in unmittelbarer Nähe zum Bahnhof am Eingang zur Nürnberger Altstadt. Die lange Geschichte des Künstlerhauses ist wechselvoll und in der Auseinandersetzung mit dem Zeitgeschehen durchaus kontrovers gewesen. Es waren darin Räume für Künstlervereine, Kunstausstellungen und Feste von der Stadt Nürnberg und verschiedenen Förderern mit hohem bürgerlichem Engagement zur Verfügung gestellt. Nach dem Zweiten Weltkrieg stand zunächst ein Abriss der Gebäude zur Diskussion. In den 1970er Jahren entwickelte sich dann dort unter dem Namen KOMM ein selbstverwaltetes und basisdemokratisches Kultur- und Kommunikationszentrum, das bundesweit für Aufsehen sorgte. Schließlich erhielt das Künstlerhaus seinen ursprünglichen Namen zurück und wurde Teil des Zusammenschlusses KunstKulturQuartier mit weiteren Kultureinrichtungen der Stadt Nürnberg.
Die Generalsanierung des historischen Gebäudes erfolgte in drei Bauabschnitten, beginnend mit dem mittleren Gebäudeteil in den Jahren 1996 bis 2000. Der teils kriegszerstörte „Kopfbau“ wurde als zweiter Bauabschnitt abgebrochen und bis 2002 neu errichtet. Von 2019 bis 2024 wurde dann der nördliche und zugleich größte Gebäudeteil in einem dritten Abschnitt umfassend saniert. Dieser im Zweiten Weltkrieg kaum zerstörten Gebäudeteil nimmt innerhalb des Künstlerhauses eine besondere Rolle ein, weil dort vielfältige Nutzungen wie die offenen Werkstätten, die Gaststätte und der große Festsaal in einem komplexen Gefüge vereint sind. Diese Vielfalt und die wechselvolle Geschichte des Hauses waren der Anlass dafür, ein besonderes Gestaltungs- und Sanierungskonzept zu finden: Die Oberflächen samt umfangreicher Spuren wurden grundsätzlich erhalten und nur bei Bedarf repariert. Alle Materialien werden dabei gleichwertig behandelt, unabhängig davon, ob sie aus der Bauzeit des Hauses oder aus späteren Jahrzehnten stammen. Durch die Optimierung des Raumkonzepts gelang es zudem, die verschiedenen Nutzungen, die teils lärmintensiv und teilweise lärmempfindlich sind, so im Gebäude anzuordnen, dass sie sich gegenseitig nicht stören. Im erweiterten Untergeschoss konnte mit Hilfe von umfangreichen Tiefbauarbeiten eine „Clubzone" realisiert werden, die nun als fester Bestandteil des urbanen Kulturzentrums gilt. Der Festsaal zeigt sich als multifunktional nutzbarer Veranstaltungsraum, der für Events unterschiedlichster Art umgerüstet werden kann. Umgeben von den historischen Stadtmauern wurde der barrierefrei gestaltete Garten durch eine Brücke mit dem Künstlerhaus verbunden. Heute gibt es im Künstlerhaus vielfältige Angebote mit Flächen für Ausstellungen, Konzerte, Kino, Kreativwerkstätten und Biergarten. Die acht Meter hohe, pinkfarbene Flagge der Künstlerin Heidi Sill mit dem Titel „Flagge zeigen“ markiert den neuen Eingang zum Künstlerhaus und setzt somit ein Zeichen für Toleranz und Vielfalt. Die Generalsanierung der historischen Gebäude ist ein beeindruckendes Beispiel für Teamarbeit und Umbaukultur. Nur durch das außerordentliche Engagement aller Beteiligten konnte das Projekt erfolgreich abgeschlossen werden. Beispielsweise berichtet die Architektin und Stadtplanerin Anke Seitz vom Hochbauamt der Stadt Nürnberg: „Wir haben einen Ort geschaffen, der die alten Spuren nicht glattbügelt und die nachfolgenden Generationen einlädt, sich für diskursive und partizipatorische Kulturarbeit zu engagieren – oder: sich einfach zu treffen. “
Die Städtebauförderung trägt mit einem Zuschuss in Höhe von rund 10,8 Mio. Euro einen wesentlichen Anteil an der Finanzierung und damit auch am Erhalt des Nürnberger Künstlerhauses. Im Juli 2023 konnte der Festsaal als Herzstück des Hauses feierlich eingeweiht werden und seit 2024 steht das gesamte Gebäudeensemble mit allen Werkstätten der Öffentlichkeit wieder zur Verfügung. Das Künstlerhaus hat 2024 den Architekturpreis der Stadt Nürnberg und auch den Denkmalpreis des Bezirks Mittelfranken erhalten.
Ort
Stadt Nürnberg (ca. 544.000 Einwohner), Mittelfranken
Förderprogramme
Bund-Länder-Programme „Soziale Stadt“ und „Sozialer Zusammenhalt"
Gesamtinvestition
rund 32 Mio. Euro
Fördersumme
rund 10,8 Mio. Euro
Fertigstellung
2024
Architektur
Florian Nagler Architekten, München
Ansprechpartner
Sachgebiet 34 Städtebau - Regierung von Mittelfranken
